

Der Kleßmann'sche Hof in Nordhorn gehörte lange zu der Herrschaft Rheda und den Grafen von Bentheim.
Nach dem Sieg Napoléons in den Schlachten bei Jena und Auerstedt wurde 1807 der Friede von Tilsit geschlossen, der französische Satellitenstaat „Großherzogtum Berg" wurde errichtet. Gütersloh und Nordhorn wurden nach französischem Muster auf das Département Ruhr im Arrondissement Hamm und im Kanton Rheda eingeteilt.
In Preußen erließ der König Friedrich Wilhelm III. das Oktoberedikt 1807, der Kolon Cord Henrich Klessmann (1767–1834) wurde dadurch von der Leibeigenschaft befreit. Er konnte nun Land kaufen oder verkaufen, auch das Erbrecht wurde erleichtert („Bauernbefreiung“).
Die Schlacht bei Waterloo 1815 beendete die „Franzosenzeit", und der Wiener Kongreß veränderte erheblich die politische Landkarte Europas.
Am 18. Oktober 1816 wurde in der Provinz Westfalen der Landkreis Wiedenbrück errichtet. Im Bereich Gütersloh wurden die einzelnen Bauernhöfe 1822 erfaßt und mit genauen Daten ermittelt.
Nach dem Tod von Cord Henrich Klessmann 1834 übernahm sein nur 20-jähriger Sohn Peter Kleßmann (1814–1885) den Hof in Nordhorn.
Die vier ehemaligen Bauerschaften Nordhorn, Blankenhagen, Pavenstädt und Sundern und die Stadt Gütersloh bildeten 1843 eine gemeinsame Gemeinde Gütersloh-Land im Landkreis Wiedenbrück.
Am 15. Oktober 1847 eröffnete die Köln-Mindener Eisenbahn (CME) den Betrieb, einige Grundstücke des Bauernhofs von Peter Kleßmann wurden vorher enteignet.
Der erste größere Eisenbahnunfall Preußens war am 21. Januar 1851 in der Nähe von Avenwedde, drei Personen wurden getötet, der spätere Kaiser Friedrich III. wurde leicht verletzt.
Nach dem Tod von Peter Kleßmann 1885 übernahm sein Sohn Heinrich Kleßmann (1858–1925) den Hof in Nordhorn.
Am 1. April 1910 wurden die vier Bauerschaften Blankenhagen, Nordhorn, Pavenstädt und Sundern in Gütersloh eingemeindet.
Bei einem Sommergewitter am 3. August 1911 wurde der Hof mit einem Blitzschlag getroffen. Das Haus und die Scheune brannten. Die Familie arbeitete auf dem Feld und wurde schnell informiert. Dennoch brannte der Hof überwiegend ab.
Gefallen im Ersten Weltkrieg
• Paul Husemann (⚔ 10. November 1914 in Flandern)
• Alfred Haußmann (⚔ 28. Januar 1916 in Frankreich)
• Wilhelm Sunderkötter (⚔ 9. Juni 1916 in Frankreich)
• Hermann Husemann (⚔ 30. März 1918 in ??)
• Rudolf Güthenke (⚔ 14. April 1918 in Belgien)
Da der Unternehmer Carl Miele (1869–1938) weitere Flächen für seinen Betrieb benötigte, schlug er seinem Nachbarn Heinrich Kleßmann vor, den Hof in Nordhorn gegen den Hof in Sundern zu tauschen. Dieser wiederum hatte Probleme mit der häufig geschlossenen Bahnschranke, die seinen Betrieb störte. Beide vereinbarten daher 1920 den Hoftausch.
Infolge der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg wurde am 15. November 1923 mit der Währungsreform die „Papiermark" auf Reichsmark (RM) umgetauscht: 1 Billion Papiermark zu 1 RM, nach heutiger Kaufkraft etwa € 5.
Nach dem Tod von Heinrich Kleßmann 1925 übernahm sein Sohn Wilhelm Kleßmann (1894–1981) den Hof „Meier zu Avenstroth“ in Sundern.
In der NS-Zeit wurden die Ahnenpässe Pflicht, um die „arische Abstammung" zu belegen. Der Standesbeamte mußte jede einzelne Angabe mit seiner Unterschrift beurkunden. Heute ist es – trotz des problematischen Hintergrunds – für die Familienforschung sehr hilfreich.
Bei einem der schwersten Bombenangriffe auf Gütersloh wurde der Hof am 26. November 1944 teilweise zerstört, auch die Apostelkirche und das Evangelisch Stiftische Gymnasium wurden am selben Tag zerstört.
Am 16. Februar 1945 stürzte ein US-Bomber in Sundern ab, die Flieger konnten sich mit dem Fallschirm retten.
Im Haus des Bauernhofs wurde am 30. März 1945 ein Blindgänger gefunden, der aber keine wesentlichen Schäden erzeugte.
Gefallen im Zweiten Weltkrieg
• Rudolf Schwabedissen (⚔ 26. Juni 1940 in Frankreich)
• Hans Schmitt (⚔ 1941 in Frankreich)
• Karl Schwabedissen (⚔ 13. September 1941 in der Sowjetunion)
• Hans-Joachim Stentsch (⚔ 1942 in der Sowjetunion)
• Heinrich Kleßmann (⚔ 19. Januar 1942 in der Sowjetunion)
• Friedrich Hark (⚔ 31. Dezember 1942 in der Sowjetunion)
• Helmut Güthenke (⚔ 17. Januar 1943 in der Sowjetunion)
• Oswald Schmitt (⚔ Februar 1943 in der Sowjetunion)
• Paul Kleßmann (⚔ 28. September 1944 in ??)
• Fritz Helmig (⚔ Mai 1945 in Mähren)
Am 2. April 1945 wurde Gütersloh von der 2. US-Panzerdivision befreit.
Am 20. Juni 1948 wurde die Währungsreform in Westdeutschland durchgeführt, am nächsten Tag wurde die Deutsche Mark (DM) das einzige gesetzliche Zahlungsmittel.
Wilhelm Kleßmann übergab 1972 seinem Sohn Otto den Hof in Sundern.